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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 

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Prolog Die doppelte Tragödie
Was für Wien das Fin de siècle und für Berlin die Goldenen Zwanziger – das ist das 16. Jahrhundert für Breslau. Damals war die Stadt an der Oder eine der größten und bedeutendsten Städte Europas, eine glänzende Handelsmetropole genau dort, wo sich zwei der wichtigsten europäischen Fernhandelswege kreuzten – die Bernsteinstraße von der Ostsee in den Donauraum und weiter bis zur Adria sowie die Hohe Straße, die von der Rheinmündung an der Nordsee bis zum Schwarzen Meer oder weiter auf der Seidenstraße bis nach China führte. Breslau war ein wichtiger Punkt im Netz der Metropolen. Von Breslau aus führten die Wege nach Thorn, Danzig und Königsberg im Norden, nach Krakau, Lemberg und Kiew im Osten, nach Prag, Wien, Nürnberg, Augsburg, Mailand, Genua und Venedig im Süden, nach Leipzig, Frankfurt am Main, Köln, Brügge und Antwerpen im Westen. Auf Breslaus großen Marktplätzen und in den ausgedehnten Tuchhallen kamen die Kaufleute aus dem ganzen Reich, aus Polen-Litauen und aus Russland zusammen, um ihre Waren umzuschlagen und neue Geschäfte abzuschlie ßen. Breslau war durch dieses Treiben reich und mächtig geworden und zu einer imposanten Stadt herangewachsen. Eine weiträumige städtebauliche Anlage, prachtvolle Patrizierhäuser, ein gewaltiges Rathaus und monumentale Kirchen, deren Türme schon von weitem den Stolz der Stadt verkündeten, prägten das Antlitz dieser mitteleuropäischen Metropole.
Doch dieser Glanz sollte nicht von Dauer sein. Er verblich in dem Maße, wie sich im Laufe des 17. Jahrhunderts durch den Aufstieg der Niederlande und Englands die Gewichte im europäischen Wirtschaftsleben nach Norden und Westen verschoben. Der Raum zwischen Prag und Krakau, Breslau und Danzig, der im Spätmittelalter im Zentrum Europas gelegen hatte, wurde zur Peripherie. Im Zuge dieser Entwicklung begann Breslaus Stern zu sinken. Die Stadt fiel in der Hierarchie der europäischen Städte, in der sie lange ganz oben gestanden hatte, nach und nach zurück. Zwei Jahrhunderte später, als die Metropolen Wien und Berlin ihre große Zeit erlebten, war Breslau nur noch eine mittlere Großstadt. Zwar hatte die Bevölkerungsexplosion des 19. Jahrhunderts auch ihre Einwohnerzahl binnen weniger Jahrzehnte vervielfacht und die Stadt weit über ihre alten Grenzen hinaus ins Umland wachsen lassen. Breslau war zu einer modernen Großstadt geworden, besaß eine ansehnliche Industrie und hatte als Handelsplatz noch immer einen Namen, verfügte über bedeutende Bildungs- und Forschungseinrichtungen und war ein Knotenpunkt im sich verdichtenden europäischen Eisenbahnnetz. Aber die urbanen Zentren in den aufstrebenden Industrieregionen des Rheinlandes sowie in Sachsen begannen eines um das andere die Stadt an der Oder an Einwohnerzahl zu überflügeln. Wenn Breslau am Beginn des 20. Jahrhunderts auch immer noch die größte deutsche Stadt östlich von Berlin war, so sagte man ihr doch eine gewisse Provinzialität und Rückständigkeit nach. Das damals kursierende Sprichwort, der echte Berliner komme aus Breslau, verrät nicht nur etwas über Berlin. In ihm spiegelt sich auch wider, dass Breslau zu einer Stadt geworden war, die ihre ehrgeizigen und talentierten Bürger oft nicht halten konnte. So sind zwar viele berühmte Persönlichkeiten in Breslau aufgewachsen oder haben dort Stationen ihres Lebens verbracht, doch die allerwenigsten von ihnen sind dort auch begraben worden.
Breslau verfügtüber eine der eindrucksvollstenAltstädteMitteleuropas. Auf diesem Luftbild von 1934 ist der noch unversehrteRing mit dem Rathaus und den einstigen Tuchhallen zu sehen, dahinterdie Türme der Maria-Magadalena- Kirche.
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Dennoch ist Breslau eine der Städte des 20. Jahrhunderts. Wer einen einzigen Ort sucht, an dem sich das ganze Drama Europas im 20. Jahrhundert verdichtet erfahren lässt, der findet ihn in dieser Stadt. Breslau ist das Prisma, durch das sich Europas Selbstzerstörung erkennen lässt: Nationalismus und Provinzialisierung, Xenophobie und Antisemitismus, die Zerstörungswut des Zweiten Weltkrieges, die Germanisierungsphantasien des Dritten Reiches und die Ermordung der europäischen Juden, der totale Zusammenbruch von 1945, die Verschiebung der Staatsgrenzen in Mitteleuropa und die Zwangsumsiedlungen, schließlich die Spaltung des Kontinents im Kalten Krieg und die geistige Erstarrung im Ost-West-Gegensatz. Breslau befand sich stets im Zentrum dieses Geschehens. Im Jahr 1945 erfuhr Breslau einen Bruch, den man sich dramatischer kaum vorstellen kann. In den letzten Kriegswochen wurde die Stadt, die eine der schönsten Europas war, in ein Trümmerfeld verwandelt und anschließend, weil die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges beschlossen hatten, dass Breslau polnisch wird, einem vollständigen Bevölkerungsaustausch unterworfen. In nur drei Jahren wurde die gesamte noch verbliebene deutsche Einwohnerschaft nach Westen transferiert und durch polnische Siedler aus dem Osten ersetzt. Friedrich Otto Jerrig hat das Ungeheure dieses Vorgangs 1949 in Worte zu fassen versucht:
Es ist, als habe ein Erdrutsch stattgefunden. Ein Erdrutsch des Bodens, auf dem Breslau durch die Jahrhunderte das geworden ist, was es seinen Menschen war, ehe »damals« das Inferno ausbrach. Mit der Wucht eines Naturereignisses hat sich eine politische Umwandlung vollzogen, in der sechshunderttausend Breslauer ihre Vaterstadt verloren. Das ist ein Erdrutsch! Umso mehr, als gleichsam in diesem Erdrutsch Breslaus deutsche Note zerbarst. Sie wurde zerschlagen, ausgetrieben von dem, was irgendwie spürbar noch, aber ohne tonangebende Bedeutung, im Untergrunde geschlummert hatte – der einst slawischen Grundlage einer reich bewegten Vergangenheit, bevor das Deutsche, das Ostdeutsch-Schlesische mit Breslau identisch wurde. An der Grenze nach Osten hin, wo sich über Hundsfeld nach Oels und Namslau zu, wo sich jenseits Ohlau und Oppeln Polens Grenzen erhoben, konnte man den Schritt spüren von Mitteleuropa in den Osten, in das Land zwischen Europa und der Weite Vor-Asiens. Das hat den Horizont über der Stadt gezeichnet. Und in ihrem Untergrund ahnte man Dinge der Vergangenheit. Sie waren begraben. Dass sie auferstehen würden, war nicht zu ermessen. Die Möglichkeit schreckte die Menschen nicht, sie sahen ihr furchtlos ins Gesicht. Breslau war ebenso sehr Stadt zwischen Traum und Tatsache, wie es Frage an seine Vergangenheit und an seine Zukunft war.
Als der Boden aufbrach, der die große Grenzstadt mit all ihren Spannungen und Gleichungen trug, als die verdämmernde Möglichkeit einer längst versunken geglaubten Vergangenheit Wahrheit wurde, war das, als revoltiere ein unwilliges Ursprüngliches gegen Unachtsamkeit und Unbewusstheit, die in Jahrhunderten darüber eine hastlebige Großstadt aufgebaut hatten. Das ist so, als sei es deshalb geschehen, weil man in den letztvergangenen Jahren nicht genug bedacht hatte, dass die Stadt an der Oder mehr Brücke ist zu den Ländern im Osten, nicht so sehr Trutzburg und Mittelpunkt nationaler Versteifung gegen das, auf dem sie einst selbst emporgewachsen ist.1
Es lag im Ermessensspielraum einzelner militärischer Führer, und Breslau hätte zu den wenigen Großstädten in Europa gehört, die den Zweiten Weltkrieg äußerlich unversehrt überstanden. Auch dass Breslau heute eine Stadt in Polen ist, hing von Entscheidungen einzelner Politiker ab, die unter den damaligen Umständen durchaus anders hätten ausgehen können. Und doch hatte Breslau Anteil an einer Entwicklung seit dem Ersten Weltkrieg, die geradewegs in die Katastrophe führte. Vielleicht kann man sogar behaupten, dass sich Breslau gerade wegen seiner Randlage, als deklassierte Stadt, für den pathologischen Nationalismus des 20. Jahrhunderts besonders anfällig erwiesen hat.

Breslaus Zerstörung

Breslau, das mit der Dynamik der westeuropäischen Städte nicht mithalten konnte, war der kulturellen Homogenisierung weniger unterworfen als die aufstrebenden Wirtschaftszentren.2 An der Peripherie hatte sich länger etwas von jener kulturellen Mehrdeutigkeit des vormodernen Europa gehalten, als »Nationalität« für die Menschen noch ganz unverständlich oder aber von untergeordneter Bedeutung gewesen war. Breslau war das urbane Zentrum, der »Brückenlandschaft«3 Schlesien, einem Grenzland der kulturellen Überlagerungen und fließenden Übergänge zwischen Deutschland, Böhmen und Polen. Kulturelle Vielschichtigkeit war hier das Ergebnis immer wieder wechselnder staatlicher Zugehörigkeiten und vielfältiger kultureller Einflüsse. Breslau war im Lauf seiner Geschichte nacheinander polnisch, böhmisch, österreichisch und preu ßisch. Sein Antlitz war schillernd, hatte etwas von Prag und Krakau, war hier das preußisch strenge Berlin und dort das sinnlich barocke Wien. Die Stadt war protestantisch und katholisch und verfügte zudem über die drittgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands. An Breslaus Universität, die 1811 aus der Verschmelzung der Jesuitenakademie Leopoldina mit der protestantischen Viadrina aus Frankfurt an der Oder hervorgegangen war, gab es theologische Fakultäten für beide christlichen Konfessionen und darüber hinaus in der Stadt mit dem Jüdisch-Theologischen Seminar eine der bedeutendsten Ausbildungsstätten für Rabbiner in ganz Europa.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Breslau eine deutsche Stadt. Bis auf die kleine polnische Minderheit, die einen Anteil von unter fünf Prozent an der Stadtbevölkerung hatte,4 betrachteten sich Breslaus Bürger als Deutsche. Dennoch war Breslaus spezifische Atmosphäre von der Nähe zu Polen und den ethnisch heterogenen Siedlungsgebieten in Schlesien geprägt. Zu Breslau gehörten auch die Kaufleute und Studenten aus Polen, Polnisch sprechende Hausmädchen und Bauern, die ihre Waren aus den Grenzkreisen auf Breslaus Wochenmärkte brachten, jüdische Einwanderer aus Galizien oder dem russischen Teil Polens, für die Breslau Durchgangsstation auf dem Weg nach Westen war. Die Verwobenheit mit dem östlichen Europa, die Lage im deutsch-polnisch-böhmischen Grenzraum und die kulturelle Vielfalt trugen maßgeblich zum Wesen dieser Stadt bei. Doch diese Mehrdeutigkeit, die eigentlich der Reichtum und die Besonderheit Breslaus war, wurde von seinen Bürgern zunehmend als Hypothek betrachtet, als Anzeichen wirtschaftlicher Rückständigkeit in den Ostprovinzen des Deutschen Reiches.
Als der Nationalismus im Ersten Weltkrieg die Züge einer militanten Religion annahm und die Fundamente des Zusammenlebens in den ethnischen gemischten Regionen Europas zerstörte, wurde der deutsch-polnische Grenzraum zu einer Zone immer forscherer Abgrenzung zwischen den Nationalitäten. Während der Volksab-stimmungen in Oberschlesien im Frühjahr 1921, in denen über den zukünftigen Verlauf der deutsch-polnischen Grenze entschieden werden sollte, erreichten die nationalen Spannungen ihren Höhepunkt. Sie entluden sich auf beiden Seiten in gewalttätigen Ausschreitungen und in den Gefechten, die sich deutsche Freikorpsverbände und die polnische Aufstandsarmee in Oberschlesien lieferten. Schlesien war Bühne für die nationale Agitation geworden. Breslau wurde immer mehr zum »Bollwerk des Deutschen Ostens« stilisiert.5 An Breslaus Hochschulen sollten deutsche Studenten »Ostsemester« absolvieren, um sich am »Mittelpunkt des heiß umbrandeten deutschen Ostens«6 und an der »Front des deutschen Volkstumskampfes«7 ihrer besonderen patriotischen Verantwortung bewusst zu werden.
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Hitler besucht Breslau, das den Nationalsozialisten stets überdurchschnittlich gute Wahlergebnisse beschert hat, während des Deutschen Turn- und Sportfestesim Jahre 1938.
Die nationale Erhitzung in den Grenzkonflikten hat neben den wirtschaftlichen Problemen Schlesiens dazu beigetragen, dass Breslau bei den Reichstagswahlen der dreißiger Jahre zu den Wahlkreisen in Deutschland gehörte, wo die NSDAP ihre besten Ergebnisse erzielen konnte. 1932 erhielten die Nationalsozialisten bei einem Landesdurchschnitt von 37,2 Prozent (Juli) und 33,1 Prozent (November) im Wahlkreis Breslau 43,5 Prozent und 40,5 Prozent der Stimmen. Im März 1933 war der Wahlkreis Breslau einer der sieben von insgesamt 35 Reichswahlkreisen, in denen die NSDAP die absolute Mehrheit errang.8 Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten schienen sich Breslaus Zukunftsaussichten deutlich zu verbessern. Der 1934 überraschend abgeschlossene Nichtangriffsvertrag zwischen Berlin und Warschau führte zur Wiederherstellung des freien Warenaustausches zwischen Deutschland und Polen, was Breslau besonders zugute kommen musste. Zudem erfuhr die Stadt an der Oder einen massiven Ausbau als Verkehrsknotenpunkt sowie als führende Messestadt im Ost-West-Handel.9 Doch auch Breslau erlebte nach 1933 nur eine Scheinblüte, während seine Existenzgrundlage nun erst recht zugrunde gerichtet wurde.
Die Vertreibung der Deutschen aus Breslau begann mit der Vertreibung der Breslauer Juden. Sie waren bis dahin eine der Säulen des Breslauer Bürgertums gewesen, hatten den Handel getragen und die großen Kaufhäuser errichtet, das geistig-kulturelle Leben der Stadt maßgeblich geprägt und den hervorragenden Ruf ihrer Hochschulen mitbegründet.10 Aus Breslaus Judenheit waren Mäzene hervorgegangen wie der Unternehmer Julius Schottländer, der den Breslauer Südpark gestiftet hatte, und weltbekannte Persönlichkeiten wie Ferdinand Lassalle, Fritz Haber, Max Born, Edith Stein, Ernst Cassirer, Alfred Kerr oder Norbert Elias. Doch nach 1933 wurden Breslaus Juden zu Tausenden in die Emigration getrieben, die traditionsreichen jüdischen Einrichtungen der Stadt geschlossen, Unternehmen und Geschäfte »arisiert«.
Am 9. November 1938 plünderte und demolierte der Mob auch in Breslau Hunderte von Geschäften und zündete die Synagogen an. Über den Brand der Neuen Synagoge am Anger, die Edwin Oppler in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts nach dem Motto »Deutsche Juden in einem deutschen Staat bauen auch in einem deutschen Stil« entworfen hatte und deren imposante Kuppel seit ihrer Einweihung 1872 die Silhouette der Südstadt geprägt hatte, schrieb Walter Tausk, der Chronist der Judenverfolgung in Breslau, in sein Tagebuch:
Es war gegen dreiviertel zehn, als ich den Schlossplatz erreichte, um in die Wallstraße einzubiegen: die so genannte »Mauschelhalle« (...) war nur noch eine rauchende Ruine. Die obere Kuppel hatte sich bereits nach einer Seite zu senken angefangen und musste nachmittags von zwei bis vier gesprengt werden. (...)
Nur die umliegenden Häuser und Bäume wurden bespritzt, um ein Übergreifen des Feuers zu verhindern. Die Synagoge selbst ist mit Brandbomben, zu denen noch Petroleum trat, niedergebrannt worden, und der alte, arische Kastellan Peters, der im neuen Gemeindehaus wohnt, wurde nachts um zwei geweckt, um dem vorerwähnten »Volk« die Synagoge aufzuschließen. Unter heftigen Weinkrämpfen hat er es getan. Gerettet wurde nichts. Es ist sogar verhindert worden, dass Gemeinderabbiner Vogelstein nachts um halb drei und Kantor Wartenberger morgens acht Uhr in das brennende Haus gingen, um die Schrift zu retten.11
Zwischen November 1941 und April 1944 wurden über siebentausend Breslauer Juden, die nicht mehr entkommen konnten, deportiert und umgebracht – in Kaunas, Majdanek, Sobibor, Theresienstadt, Auschwitz.12 Walter Tausk musste Breslau mit dem ersten Eisenbahntransport am 25. November 1941 Richtung Kaunas verlassen und wurde vermutlich gleich nach der Ankunft erschossen.13
Die Breslauer, die nicht von der Verfolgungen betroffen waren und in der Zerstörung der Neuen Synagoge nicht den Beginn für den Untergang der alten Stadt erblickten, mochten sich indessen in einer trügerischen Sicherheit gewogen haben. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bescherte der Stadt sogar einen seltsamen Aufschwung. Schlesien wurde dank seiner geographischen Lage weitab von den Stützpunkten der britischen und amerikanischen Bomberflotten zum Ziel der »Kinderlandverschickungen« und Tausender Ausgebombter aus dem Westen, die hier Unterschlupf suchten. Zudem wurden Behörden und Rüstungsbetriebe in großer Zahl nach Schlesien verlegt. Breslaus Fabriken wurden ausgebaut und auf die Produktion von Rüstungsgütern umgestellt. Das bedeutendste Unternehmen der Stadt, die Linke-Hofmann-Werke, die vor dem Krieg einer der größten Produzenten von Eisenbahnwaggons und Lokomotiven in Europa gewesen waren, fertigten nun Panzerzüge, Panzerteile, Aufbauten für Kübelwagen sowie die Motoren für die V2. Breslau, dessen Einwohnerschaft im Laufe des Krieges um Hunderttausende auf fast eine Million Menschen anwuchs, wurde zu einem der wichtigsten logistischen Zentren für die Versorgung der Ostfront. Von hier aus brachten die Züge der Reichsbahn Munition, Panzer und andere Güter ins Kampfgebiet und kamen mit Zehntausenden von Verwundeten zurück, die in den riesigen Lazaretten der Stadt aufgenommen und nach erfolgreicher Behandlung wieder an die Front geschickt wurden.
Zu einer unmittelbaren Bedrohung wurde der Krieg für Breslau erst im Sommer 1944, als die Rote Armee die Weichsel erreicht hatte und so die Ostfront nur noch 300 Kilometer von der Stadt entfernt war. Gleichzeitig rückten Amerikaner und Briten im Westen so weit voran, dass nun auch Schlesien in den Einzugsbereich alliierter Luftangriffe geriet. Im Herbst 1944 erklärte Hitler das völlig unbefestigte Breslau zur »Festung«, die unter keinen Umständen kapitulieren durfte, sondern bis zum Letzten gegen den erwarteten sowjetischen Ansturm zu verteidigen war.14 Aus zufällig anwesenden Soldaten – Versprengte, Diensttuende in der Etappe, durchreisende Fronturlauber, genesende Verwundete – wurde eine Festungsbesatzung zusammengestellt und durch die Aufstellung von Volkssturmeinheiten verstärkt. Darüber hinaus zog man Zivilisten aus der ganzen Region zu Schanzarbeiten rund um Breslau heran und füllte die Vorratslager der Stadt für die Bedürfnisse einer langen Belagerung.
Am 12. Januar 1945 begann die sowjetische Großoffensive. Innerhalb weniger Tage brach die Ostfront auf der gesamten Länge zusammen, und die sich auflösende Wehrmacht zog sich nach Westen zurück. Die Angriffskeile der Roten Armee, die sich von ihren Stellungen an der Weichsel in großer Geschwindigkeit auf Berlin zubewegten, schoben wie eine Bugwelle die in Panik flüchtende Zivilbevölkerung vor sich her. Schon nach wenigen Tagen zogen die Flüchtlingstrecks auch durch Breslau. Paul Peikert, Pfarrer von St. Mauritius und Chronist der Festungszeit, schrieb am 22. Januar 1945 in sein Tagebuch:
Nun bot sich Breslau tagelang Tag und Nacht ein grauenhaftes Bild einer flüchtenden Bevölkerung. Ununterbrochene Kolonnen von Bauernwagen, mit Pferden oder Kühen bespannt, dazu die Handwagen der Arbeiterinnen oder die Kolonnen der Kriegsgefangenen, Ausländer, Russen, Franzosen, Serben usw. mit kleinen Schlitten, auf denen sie ihr Gepäck fuhren. (...) Dazu trifft die Massenflucht in strenge Wintertage, 13-15 Grad Kälte und noch mehr ist die Temperatur dieser Tage. Kinder erfrieren und werden von ihren Angehörigen an den Straßenrand gelegt. Es wird berichtet, dass ganze Lastautos solcher erfrorener Kinder in den hiesigen Leichenhallen eingeliefert werden.15
Am 19. Januar gab der in Breslau residierende Gauleiter von Niederschlesien und Reichsverteidigungskommissar Karl Hanke den Befehl zur Evakuierung der Stadt. Noch wenige Wochen zuvor wäre eine mehr oder weniger geordnete Räumung Breslaus möglich gewesen, aber von Hanke als Defätismus kategorisch abgelehnt worden. Nun aber waren alle Straßen von Flüchtlingen und Truppen verstopft, und die Reichsbahn verfügte nicht mehr über die Kapazitäten, um eine Millionenstadt zu evakuieren. Auf Breslaus Bahnhöfen brachen Chaos und Panik aus, Kinder verloren im Gewühl ihre Mütter oder wurden von den Menschenmengen zerdrückt und zertrampelt. Per Straßenlautsprecher erging am 20. Januar die Anordnung, dass Frauen und Kinder die Stadt zu Fuß zu verlassen hätten. Bei klirrender Kälte schlossen sich Hunderttausende Breslauer den endlosen Flüchtlingstrecks über die verschneiten Landstraßen in die Sudeten an, wobei Zehntausende erfroren oder an Entkräftung starben.
Die Angriffsspitzen der Roten Armee überschritten schon zehn Tage nach Beginn der Offensive an mehreren Stellen die Oder. Bis Ende Februar wurden ganz Oberschlesien und der größte Teil Niederschlesiens besetzt, die deutschen Truppen wurden in die Sudeten abgedrängt. Breslau wurde am 15. Februar eingekesselt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch rund 200 000 Zivilisten in der Stadt, darunter Zehntausende von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen.16 Die Festungsbesatzung, die zunächst von General Hans von Ahlfen befehligt wurde, bestand aus 45 000 bis 50 000 Soldaten und Volkssturmmännern, denen auf sowjetischer Seite die 6. Armee mit 150 000 Mann unter der Führung von General Vladimir Aleksandrovič Gluzdovskij gegenüberstand. Gluzdovskijs Einheiten griffen von Süden her an, überrannten im ersten Anlauf die vorgelagerten Verteidigungsstellungen und drangen tief in die vornehmen Wohnviertel um den Hindenburgplatz vor. Dort allerdings kam der Vormarsch zum Erliegen, und zwischen den sowjetischen und deutschen Soldaten entfaltete sich nun ein verbissener Straßen- und Häuserkampf, bei dem sich die Front nur noch Straße für Straße, Haus für Haus, Stockwerk für Stockwerk auf das Stadtzentrum zubewegte.
Die »Festung Breslau« wurde zu einem so grausamen wie grotesken Schlachtfeld. Das eingeschlossene Stadtgebiet war klein und verengte sich immer weiter. Und doch wurde zwischen Kampfzonen und rückwärtigen Gebieten unterschieden. Es gab eine Westund eine Südfront, und die Einheiten wurden zwischen beiden hin und her verlegt. Während in den vorgelagerten südlichen und westlichen Stadtvierteln erbittert gekämpft wurde und Tausende und Abertausende ihr Leben ließen, blieben die nur wenige Kilometer entfernten Villengegenden im Norden sowie die Gartenstädte im Osten weitgehend unberührt vom Kampfgeschehen. Deutsche Soldaten verbrachten kurze Fronturlaube im Zoologischen Garten oder vergnügten sich wie im Frieden mit Paddelbooten auf der Ohle.17
Die Verteidigung Breslaus, das Mitte Februar 1945 noch ganz unversehrt war, führte zu seiner völligen Zerstörung. In den Häuserkämpfen sanken ganze Stadtviertel in Schutt und Asche, die vornehme Südstadt wurde zwischen Hindenburgplatz und Haupt-bahnhof gänzlich vernichtet. Weil sich die Festungskommandantur und die deutsche Artillerie inmitten der Altstadt verschanzt hatten, nahm die sowjetische Artillerie das historische Stadtzentrum unter Dauerbeschuss. Zudem kreisten unablässig sowjetische Tiefflieger über der Stadt, bestrichen die Straßen mit ihren Bordkanonen und bombardierten Häuser, in denen sie deutsche Stellungen vermuteten. Aber schlimmer noch als die sowjetischen Angriffe wirkten sich die Verteidigungsmaßnahmen der Festungstruppen aus.18 Die deutschen Soldaten setzten zahllose Gebäude in Brand und sprengten die ausgeglühten Ruinen, um in den Kellern schwer einzunehmende MG-Nester zu installieren. Sie versahen Häuser mit Sprengladungen und zündeten diese, sobald sich sowjetische Soldaten in den so präparierten Gebäuden festgesetzt hatten. In der Altstadt waren Brand- und Sprengkommandos unterwegs, die im Vorgriff auf mögliche sowjetische Vorstöße »innere Kampflinien« anlegten. So erging Ende März der Befehl, zur Errichtung einer Verteidigungslinie alle Häuser entlang der Websky-, Tauentzien- und Frei-burger Straße, des Elferplatzes, der Schwertstraße, Fischergasse und Einundfünfzigerstraße bis zur Südoder niederzubrennen.19 Um Start- und Landemöglichkeiten für das Kleinflugzeug der Festungsführung auf dem Schlossplatz zu schaffen, wurde das von Stüler errichtete einstige Ständehaus an der Graupenstraße kurzerhand in die Luft gejagt.
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Sowjetischer Angriff auf die »Festung Breslau«. Drei Monate lang kämpfen deutsche und sowjetische Truppen erbittert um die im Februar 1945 von der Roten Armee eingeschlossene Stadt.
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Deutsche Soldaten gehen im Stadtteil Gräbschen in Stellung. Breslaus Bautenlitten unter den skrupellosen Verteidigungsmaßnahmen nicht weniger als unter dem sowjetischen Beschuss.
Die Verteidiger legten Befehlsstände, Geschützbatterien, Aussichtspunkte oder Munitionsdepots ohne Rücksicht auf die wertvolle Bausubstanz an. Artilleriestellungen im Garten des Erzbischöflichen Palais zogen das sowjetische Feuer auf sich, wobei Stück um Stück das Palais, die gotische Kathedrale und die gesamte historische Bebauung auf der Dominsel in Trümmer sanken. Auf den Kirchtürmen wurden Beobachtungsposten eingerichtet, die die Kirchen zum Ziel sowjetischer Angriffe machten. Der Turm der Liebichshöhe, unter dem sich der erste Befehlsstand des Festungskommandanten befand, wurde gesprengt, um der feindlichen Artillerie die Orientierung zu erschweren. Als der Befehlsstand des Kommandanten Mitte März von der Liebichshöhe in die massiven Kellergewölbe des barocken Augustinerchorherrenstifts auf der Sandinsel, in dem sich die Staats- und Universitätsbibliothek befand, verlegt werden sollte, erging an die Bibliotheksleitung nur die lapidare Mitteilung, dass das Gebäude demnächst in Brand gesetzt und anschließend gesprengt würde. Erst nach heftigen Protesten wurde gestattet, vorher wenigstens die 550 000 noch verbliebenen Bücher in die benachbarte Annenkirche auszulagern.20 Zwar erfolgte die Sprengung dann doch nicht. Aber das zum Befehlsstand umfunktionierte alte Klostergebäude barst nun im Hagel sowjetischen Beschusses.
Zum Symbol für den Irrsinn der »Festung Breslau« ist der Bau einer Rollbahn inmitten des Stadtzentrums geworden, über die die Luftversorgung auch im Falle einer sowjetischen Eroberung des Breslauer Flughafens Gandau aufrechterhalten werden sollte. Nachdem die Wahl auf das vornehme Universitätsviertel zwischen Kaiser- und Fürstenbrücke gefallen war, wurden entlang der Kaiserstraße auf einer Länge von 1,3 Kilometern und einer Breite von 300 Metern alle Gebäude samt Inventar angezündet, darunter auch das Staatsarchiv sowie die Luther- und die Canisius-Kirche. Anschließend wurde das Gelände, das zu einer Schneise der Verwüstung von 15 Hektar Ausdehnung inmitten der dicht bebauten Stadt geworden war, eingeebnet. Tausende von Zwangsarbeitern und zur Arbeit herangezogener Bürger, vielfach Frauen, Jugendliche und Kinder, kamen auf dieser monströsen Baustelle unter den Angriffen sowjetischer Tiefflieger zu Tode.21 Ihren Zweck sollte die Rollbahn nie erfüllen. Denn bis zu ihrer Fertigstellung kurz vor Kriegsende war die Luftversorgung durch die Wehrmacht längst zusammengebrochen.
Die Kosten für die Verteidigung der Festung mussten vor allem die Zivilisten tragen. Die Grenzen zwischen Breslauer Bürgern, Häftlingen und Zwangsarbeitern hatten sich immer mehr verwischt. Seit dem 7. März bestand für die gesamte Bevölkerung Arbeitspflicht – für Knaben ab dem zehnten, für Mädchen ab dem zwölften Lebensjahr. Wer die Arbeit verweigerte, dem war die standrechtliche Erschießung sicher. Die Festungsführung zog die Zivilisten zum Barrikadenbau, zum Abbruch von Gebäuden und allen sonstigen Arbeiten heran, ohne auf ihre Gefährdung durch sowjetischen Beschuss Rücksicht zu nehmen. Zudem wurden die Breslauer Bürger von einem Stadtteil in den anderen getrieben, von den frontnahen Vierteln in die frontfernen, oder sie wurden aus Häusern verjagt, die zur Sprengung anstanden. Alte Menschen, Kinder und Frauen, die auf der Suche nach einer neuen Bleibe mit Handkarren durch die Straßen zogen, gehörten zum ständigen Bild der Festung, die wie ein Dampfkessel nach außen abgeschlossen war, während es in ihrem Inneren siedete.
Die Festungstruppen verkamen in einem militärisch sinnlosen Kampf zu einer Soldateska. Sie warf Zivilisten aus den Kellern, um sich selbst dort einzurichten, bereicherte sich in den geräumten Wohnungen am Gut ihrer Landsleute und feierte Zechgelage in der Etappe.
Immer wieder – so Paul Peikert in seinem Tagebuch – wird mir berichtet vom Vandalismus der Wehrmacht und der Verwüstung der zurückgelassenen Zimmereinrichtungen und Hausratsgegenstände der zwangsevakuierten Wohnungen. Sie brechen die verschlossenen Wohnungen auf und stehlen, was sie können, besonders an Wertgegenständen. Die zurückgelassene Wäsche reißen sie aus den Behältnissen heraus und zerstreuen sie in den Räumen und beschmutzen sie. Nichts in der Wohnung ist vor ihrem Zugriff und ihrer Verwüstung sicher. In den Bunkern und Kellern spielen sich Orgien wüster Verkommenheit ab. Dirnen und Huren haben große Saison, denn Alkohol gibt es für diese Zusammenkünfte genug. Das ist die moralische Auflösung eines Volkes und einer Wehrmacht, die in 12 Jahren durch die Weltanschauung des Nationalsozialismus zersetzt wurde. Domine dona nobis pacem. Lasse aufhören die Tage der Trübsal, o Herr.22
Seit dem 15. Februar waren unablässig Standgerichte tätig, die Hunderte von Hinrichtungen an Soldaten, Zivilisten und Zwangsarbeitern wegen Plünderei, Sabotage oder Feigheit vor dem Feinde vollzogen.23 Da in der Festung ohnehin jeder den Tod vor Augen hatte, ließ sich die Disziplin auch durch Erschießungen kaum aufrechterhalten. Manche der Urteile dienten auch gar nicht der Disziplinierung, sondern der Etablierung einer Schreckensherrschaft unter Gauleiter Hanke. Dieser hatte noch vor der Einkesselung der Stadt unmissverständlich demonstriert, wie er die Festung politisch zu führen gedachte. Unter dem Vorwand, der zweite Bürgermeister Wolfgang Spielhagen, mit dem Hanke schon lange über Kreuz gelegen hatte, habe die Stadt unerlaubterweise verlassen, ließ er diesen verhaften und in den Morgenstunden des 28. Januar vor dem Rathaus durch ein Volkssturmkommando erschießen. Seine Leiche wurde in die Oder geworfen. Anschließend wurde die Hinrichtung durch Plakate sowie in der Lokalpresse bekannt gegeben und die Bevölkerung gewarnt: »Wer den Tod in Ehren fürchtet, stirbt ihn in Schande!«24
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Das zu Jahresbeginn 1945 noch unzerstörte Breslau ist bei Kriegsende ein Trümmerfeld. Vom Rathausturm geht der Blick nach Norden über die Ruinen der Altstadt, die mit einem Zerstörungsgrad von fünfzig Prozent noch glimpflich davon gekommen war. Im Hintergrund erheben sich (von rechts nach links) die ausgebrannten Türme des Doms, die Kreuzkirche sowie die Ruine der Sandkirche.
Breslau verwandelte sich nach und nach in ein Gräberfeld. Man wusste bald nicht mehr, wie man die vielen Toten auf die Friedhöfe schaffen sollte – gefallene Soldaten, umgekommene Zivilisten, Hingerichtete und die wachsende Zahl von Menschen, die sich aus Verzweiflung das Leben nahmen.25 Zuerst reaktivierte man die alten Kirchfriedhöfe, dann widmete man den Benderplatz, einen Park am Odertorbahnhof, zum Friedhof um. Aber bald schon begannen die Menschen ihre Toten überall in den Grünanlagen und Gärten illegal zu beerdigen – anfangs noch in einfachen Holzkisten und in Einzelgräbern, am Ende wurden die Leichen nur noch in Säcke gehüllt und in Reihengräber geworfen.26 Viele blieben auch einfach in den Wohnungen und zwischen den Trümmern zerbombter Häuser liegen, 27 so dass die Ratten bald in Heerscharen durch die Ruinen wimmelten.28
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Auch vom Turm der Kreuzkirche aus offenbart sich das Ausmaß der Zerstörung.Auf der Sandinsel sind von der Sandkirche und dem südlich angrenzendeneinstigen Augustinerstift, in dessen Kellergewölben der Festungskommandantseinen letzten Befehlsstand eingerichtet hatte, nur noch Mauern übrig. Es ist wie ein Wunder, dass die Elisabethkirche den Krieg heil überstandenhat und ihr Turm noch immer majestätisch über der Altstadt thront.
Je länger die Festung Widerstand leistete, desto heftiger wurden die sowjetischen Luftangriffe. Zunächst waren nur Sprengbomben geworfen worden, aber im Laufe der Zeit kamen immer mehr Brandbomben zum Einsatz. Dennoch war die Feuerwehr noch lange in der Lage, die Entstehung von Großbränden zu verhindern. Bis Ende März war Breslau daher eine zwar schwer beschädigte Stadt, aber abgesehen vom unmittelbaren Kampfgebiet hielt sich das Ausmaß der Zerstörung noch in Grenzen. Ende März drohte die Rote Armee jedoch erstmals mit einem Flächenbombardement durch die 750 bei Oels und Ohlau stationierten schweren Bomber, sollte die Festung nicht unverzüglich kapitulieren. Doch General Hermann Niehoff, der Anfang März die Führung der Festungstruppen übernommen hatte, lehnte eine Übergabe weiter ab. Daraufhin begann am Morgen des Ostersonntag, dem 1. April, die Bombardierung des Stadtzentrums. Die Feuerwehr hatte nun keine Chance mehr.
Der Ostermontag vollendete, was der Ostersonntag übrig gelassen hatte. (...) Den ganzen Ostermontag hindurch war stürmisches Wetter gewesen. Der Sturm entwickelte sich gegen Abend zu einem förmlichen Orkan. Auf einmal leckte das Feuer durch die Straßen der Stadt, und ein Haus nach dem anderen fing an verschiedenen Stellen an zu brennen, bald waren es ganz Straßenzüge, bald ganze Stadtteile. (...) Nach vieler Mühsal kamen wir endlich auf die Kaiserbrücke. Auf der Kaiserbrücke hätte uns der orkanartige Sturm beinahe in die Oder hineingerissen.
Da bot sich uns von der Kaiserbrücke aus der unbeschreiblich traurige Anblick der brennenden Stadt Breslau, ein unvergessliches, grauenerregendes Schauspiel. Da brannten die Stadtteile zu beiden Seiten der Oder. (...) Da schlugen die Flammen aus den Helmen der Domkirche; das ganze Dach des Domes war eine einzige Feuerflamme, da brannte die Michaliskirche, die Sandkirche, die St. Vinzenzkirche, die St. Adalbertkirche, die St. Mauritiuskirche, die Kirche St. Bernhardin, die Christophorikirche und alle Straßenzüge zwischen diesen Kirchen, vor allem auch die jetzige Universitätsbibliothek. Ein unheimlich schauriges Bild war dieses brennende Breslau am Ostermontagabend und in der Nacht, der Untergang dieser schönen Stadt in ihrem schönsten Teil.29
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»Es stimmt nicht, dass alle Ruinen in ihrem Ausdruck gleich sind. Ruinen bewahren immer den Charakter und die Individualität der lebenden Stadt. Das zerstörte Breslau ist bislang eine widerborstige und feindliche Stadt – besiegt, kraftlos, und doch weiterhin noch zu erobern. In den zerstörten Straßen, den kaputten Häusern quält sich irgendeine Suggestion einer schwerenLähmung, als seien all diese zerborstenen Mauern mit dem ganzen Gewichtfür immer eingestürzt, selbstmörderisch, verzweifelt.« (Die Ansiedlerin Maria Jarczyńska-Bukowska im Jahre 1946 über ihre neue Heimatstadt) Nach monatelangen Häuserkämpfen bietet die Kaiser-Wilhelm-Straße (ul. Powstańców Śląskich), einst eine prächtige Allee durch Breslaus vornehmenSüden, ein Bild der Trostlosigkeit.
Während die Bomber flogen, griff die Rote Armee von Westen her an, nahm den Flughafen Gandau und stieß bis Mitte April durch die brennenden Viertel bis zum westlichen Rand der Altstadt vor. Die Wut der Zivilbevölkerung über das sinnlose Hinauszögern der Kapitulation mündete in offene Proteste. Die Angst der deutschen Bevölkerung vor der Roten Armee hatte sich in der Festung Breslau in ihr Gegenteil verkehrt. Gefürchtet wurden die Festungsführung und die deutschen Soldaten, während man den Einmarsch der sowjetischen Truppen herbeizusehnen begann.
Je eher die Russen kommen, desto eher kann dem Zerstörungswerk, das vor allem von unserer Führung ausgeht, ein Ende bereitet werden. Denn alle die Brandstiftungen, alle die Verheerungen an Gebäuden und Wohnungseinrichtungen, die gehen von unserer Führung selbst aus. (...) Sie opfert wiederum eine Stadt (...), ohne dem Kriegsgeschehen irgendeine Wendung zu geben.30
Aber erst musste Hitler Selbstmord begehen, die Stadt Berlin am 2. Mai fallen und die Nachricht von den Kapitulationsverhandlungen der Wehrmacht nach Breslau dringen, bis Niehoff zur Aufgabe bereit war. Am 6. Mai unterschrieb er die Kapitulation in der Villa »Colonia« in Krietern und begab sich mit den Resten der Festungsbesatzung in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Hanke, den Hitler in seinem Testament zum Nachfolger Himmlers bestimmt hatte, war in der vorausgehenden Nacht mit dem letzten in der Festung verbliebenen Flugzeug nach Hirschberg geflohen, um sich dort einer SS-Einheit auf dem Weg nach Böhmen anzuschließen.31 In der Nacht zum 7. Mai zog die Rote Armee in das Breslauer Stadtzentrum ein.
Der Fanatismus des Gauleiters und der beschränkte Horizont des letzten Festungskommandanten, der den Mut zur Einstellung eines längst sinnlos gewordenen Kampfes nicht aufbrachte,32 hatte Zehntausenden von Menschen das Leben gekostet, wobei innerhalb der Festung die Verluste unter den Zivilisten höher waren als unter den Soldaten.33 Ganze Stadtteile waren unbewohnbar geworden, die meisten Baudenkmäler nur noch Ruinen, der größte Teil der Kunstschätze, Bibliotheken und Archivalien unwiederbringlich verloren. Breslau, im Februar 1945 neben Dresden die letzte noch intakte deutsche Großstadt mit über 500 000 Einwohnern, war bei Kriegsende eine der am schwersten zerstörten Städte in Europa.

Polens Westverschiebung

Während in Breslau noch um jedes Haus gekämpft wurde, war über die Zukunft der Stadt bereits entschieden worden. Diese Entscheidungen verbinden sich mit jenem politischen Vorgang, den man lapidar als Westverschiebung Polens bezeichnet – wohl ohne zu erfassen, welche menschliche Tragödie sich dahinter verbirgt, in welchem Umfang in Jahrhunderten gewachsene Strukturen in Ostmitteleuropa vernichtet wurden und dass der Staat, den man in einem beispiellosen Akt politischer Bedenkenlosigkeit um rund 200 Kilometer nach Westen verschob, danach nicht mehr derselbe war. Wie es zu dieser Westverschiebung kam, lässt sich mit den Begriffen klassischer Diplomatiegeschichte beschreiben. Ihre Akteure sind die »Großen Drei«, die Regierungschefs der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens. Zudem hatte die Führung des Dritten Reiches wesentlichen Anteil an der Westverschiebung Polens, denn Hitler und Stalin hatten 1939 bei der Abgrenzung der Interessensphären zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion Festlegungen über Polens Ostgrenze getroffen, die von den Westalliierten am Ende des Krieges faktisch bestätigt wurden. Dagegen konnte die polnische Exilregierung kaum Einfluss auf die territoriale Gestalt Nachkriegspolens nehmen.
Polen ist am 1. September 1939 von der deutschen Wehrmacht überfallen worden. Am 17. September marschierte die Rote Armee von Osten her ein, so wie es im Zuge des so genannten Hitler-Stalin-Paktes zwischen Berlin und Moskau vereinbart worden war. Nachdem die polnische Armee besiegt war, teilten Deutschland und die Sowjetunion im Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 das polnische Staatsgebiet unter sich auf. Seine westliche Hälfte wurde dem deutschen, seine östliche dem sowjetischen Herrschaftsbereich zugeschlagen. Gemeinsames Ziel war, Polen als Staat auszulöschen. Es habe nur eines harten Schlages bedurft – so soll der sowjetische Außenminister Molotov vor dem Obersten Rat der Sowjetunion am 31. Oktober 1939 erklärt haben – und nichts sei übrig geblieben von diesem »hässlichen Bankert des Versailler Vertrags.«34 Ostpolen wurde noch im Oktober 1939 staatsrechtlich mit der Sowjetunion verschmolzen, indem es als Gebietszuwachs in ihren westlichen Republiken Litauen, Weißrussland und Ukraine aufging. Gleichzeitig wurden Hunderttausende von polnischen Staatsbürgern, in denen man potentielle Gegner der Sowjetisierung sah, nach Sibirien deportiert.35 Fast alle der rund 15 000 polnischen Offiziere, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten waren, überwiegend Reserveoffiziere, die einen erheblichen Teil der akademisch gebildeten Elite Polens ausmachten, wurden im Frühjahr 1940 in den Wäldern um Katyń, Charkov und Kalinin erschossen und verscharrt.36
Der nordwestliche Teil der an Deutschland gefallenen polnischen Gebiete wurde dem Reich eingegliedert, der Rest zum »Generalgouvernement« erklärt, das als »Nebenland« des Reiches der zukünftigen Umsiedlungs- und Germanisierungspolitik als territoriale Verfügungsmasse dienen sollte. Wie im sowjetischen so wurden auch im deutschen Herrschaftsbereich alle Institutionen polnischer Staatlichkeit beseitigt. Zehntausende möglicher Opponenten wurden sofort erschossen oder in die Konzentrationslager eingewiesen. Die übrige Bevölkerung wurde nach »rassischen Kriterien« selektiert und einer je unterschiedlichen Behandlung zugeführt: Hunderttausende wurden als »Volksdeutsche« über die verschiedenen Stufen der so genannten Deutschen Volksliste an die deutsche Staatsbürgerschaft herangeführt und die Wehrdiensttauglichen an die Front geschickt, Hunderttausende aus den in das Reich eingegliederten Gebieten in das Generalgouvernement abgeschoben, Millionen als Zwangsarbeiter irgendwohin verschleppt, und fast die gesamte jüdische Bevölkerung Polens wurde zunächst in Ghettos gepfercht und später ermordet. Bis Kriegsende kamen unter dem Terror deutscher Besatzung und der Vernichtungspolitik, welche sich nach dem Angriff auf die Sowjetunion im Sommer 1941 auch auf Ostpolen ausdehnten, rund fünf Millionen polnische Staatsbürger ums Leben, darunter drei Millionen Juden.37
Auch wenn Polen im September 1939 von der Landkarte verschwand und das polnische Staatsvolk in den Jahren der Okkupation auseinander gerissen wurde, ist der polnische Staat als Völkerrechtssubjekt nicht untergegangen. Er bestand in Gestalt der polnischen Exilregierung und der polnischen Militäreinheiten weiter, die auf Seiten der Alliierten an allen Fronten im Einsatz waren. Dazu kamen die Widerstandsgruppen im besetzten Polen, allen voran die Heimatarmee (Armia Krajowa), welche die Exilregierung als ihre legitime politische Vertretung betrachteten. Als sich Stalin, Churchill und Roosevelt Ende November 1943 in Teheran trafen, um über die europäische Nachkriegsordnung zu sprechen, wurde schnell klar, dass es nicht zu einer Wiederherstellung Polens in seinen Vorkriegsgrenzen kommen würde. Denn trotz der durch den deutsch-sowjetischen Krieg völlig veränderten politischen Konstellation war Stalin nicht bereit, auf die 1939 annektierten ostpolnischen Gebiete zu verzichten. Stattdessen bemühte er sich im Rahmen der Anti-Hitler-Koalition um die Bestätigung der sowjetischen Annexionen, auch wenn diese auf Abkommen mit dem Dritten Reich zurückgingen. Diesem Ansinnen kam entgegen, dass sich Roosevelt und Churchill im Widerspruch zur Atlantikcharta von 1941, in der sie den Verzicht auf Annexionen und das freie Selbstbestimmungsrecht der Völker gefordert hatten, gegenüber Stalin in territorialen Fragen konzessionsbereit zeigten.
Schon am ersten Konferenztag erklärte Churchill gegenüber Stalin, er persönlich fühle sich nicht an irgendeine Grenze zwischen Polen und der Sowjetunion gebunden und halte Sicherheitserwägungen der Sowjetunion in dieser Frage für den entscheidenden Faktor. Soweit es ihn anginge, sähe er Polen gerne nach Westen verschoben; das Land solle wie Soldaten beim Exerzieren »nach links aufschließen«.38 Auch Roosevelt gab auf der Teheraner Konferenz sein prinzipielles Einverständnis zur Westverschiebung der sowjetischen Grenze. Doch er bat im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen in den USA um Verständnis dafür, nicht öffentlich an einer solchen Vereinbarung teilnehmen zu können, weil er andernfalls die Stimmen der aus Polen und dem Baltikum stammenden amerikanischen Wähler zu verlieren drohe.39 So ließ sich noch in Teheran die Frage der polnischen Ostgrenze entsprechend der sowjetischen Wünsche rasch klären. Die Westalliierten akzeptierten eine sowjetischen Grenze, die mit kleinen Korrekturen im Wesentlichen auf die deutsch-sowjetischen Abkommen vom Herbst 1939 zurückging. Um dies jedoch in der Öffentlichkeit zu verschleiern und die Abtrennung von fast der Hälfte des polnischen Staatsgebietes einschließlich der beiden bedeutenden polnischen Städte Wilna und Lemberg zu legitimieren, war fortan die Rede davon, Polens neue Ostgrenze entspreche der Curzon-Linie – einem Grenzvorschlag aus den zwanziger Jahren, der jedoch einem ganz anderen historischen Kontext entstammte und bei genauerer Kenntnis keineswegs geeignet war, die Übergabe Lembergs und Wilnas an die Sowjetunion zu rechtfertigen.40 Nach der raschen Einigung auf die zukünftige polnische Ostgrenze drehten sich die Verhandlungen der Alliierten darum, in welchem Umfang Polen für seine territorialen Verluste im Osten auf Kosten Deutschlands im Westen und Norden entschädigt werden sollte. Auch in dieser Angelegenheit konnte man sich bereits in Teheran grundsätzlich verständigen, indem man die Oder als polnische Westgrenze ins Auge fasste. Auf einen genauen Grenzverlauf sollten sich die Alliierten aber erst auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 einigen.
Bei den Verhandlungen über eine Verschiebung der polnischen Staatsgrenzen war von Anfang klar, dass diese mit umfangreichen Zwangsumsiedlungen einhergehen würde. Das zukünftige Polen sollte ein homogener Nationalstaat ohne größere nationale Minderheiten sein, was bedeutete, dass die deutsche Bevölkerung aus den an Polen fallenden Gebieten vollständig auszusiedeln war.41 Als der Krieg sich seinem Ende näherte, kam den Westmächten allerdings zu Bewusstsein, dass dieser gewaltige Bevölkerungstransfer auch negative Konsequenzen für sie selbst haben könnte. Vor allem die Regierung in London, deren Besatzungszone in Deutschland einen großen Teil der deutschen Zwangsumsiedler aus Polen aufzunehmen hatte, fürchtete die damit verbundenen Kosten und organisatorischen Probleme. Dazu kam in der sich allmählich abzeichnenden Konstellation des Kalten Krieges das wachsende Misstrauen gegenüber Stalin. Die britischen und amerikanischen Unterhändler versuchten daher, bei der territorialen Reduzierung Deutschlands doch nicht ganz so weit zu gehen, wie in Teheran in Aussicht gestellt, und nach Möglichkeit doch einen Teil Hinterpommerns bei Deutschland zu belassen. Zumindest aber wollten sie Stalins noch über die Odergrenze hinausgehenden Vorschlag, die polnische Westgrenze an Oder und Lausitzer Neiße entlangzuführen, nicht akzeptieren.
Statt der Lausitzer Neiße favorisierten sie die weiter östlich verlaufende Glatzer Neiße, was zur Folge gehabt hätte, dass der wirtschaftlich bedeutendere und bevölkerungsreichste Teil Niederschlesiens nicht an Polen gefallen wäre. Breslau wäre in diesem Fall in einen deutschen und einen polnischen Teil zerschnitten worden – wie später Frankfurt an der Oder, Guben und Görlitz. Doch Stalins hartnäckiges Festhalten an der Lausitzer Neiße und das letztlich doch beschränkte Interesse der Westmächte am Verlauf der deutsch-polnischen Grenze führten zur Durchsetzung der sowjetischen Vorstellungen. Im Abschlusskommuniqué der Potsdamer Konferenz vom 2. August 1945 wurden Oder und Lausitzer Neiße zur vorläufigen polnischen Westgrenze erklärt. Damit wurden Ostpreußen, Hinterpommern, Ostbrandenburg, Nieder- und Oberschlesien vom Deutschen Reich abgetrennt. Außerdem wurde die schon in Gang gesetzte Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus dem neuen polnischen Staatsgebiet gebilligt, lediglich eine »humane« und »geordnete« Durchführung des Bevölkerungstransfers angemahnt.
Die Mitwirkung polnischer Politiker am Zustandekommen der neuen Grenzen Polens war begrenzt. Die polnische Exilregierung, die nicht in die Grundsatzentscheidungen von Teheran eingeweiht worden war, forderte weiterhin, dass die polnische Vorkriegsgrenze im Osten nach dem Krieg wiederherzustellen sei und im Norden und Westen ein territorialer Zuwachs erfolgen müsse, um die wirtschaftliche Basis für den Wiederaufbau Polens zu erweitern und in Zukunft ein höheres Maß an militärischer Sicherheit gegenüber Deutschland zu gewährleisten. Dabei dachte man an die Angliederung Ostpreußens, Danzigs und Oberschlesiens sowie an kleinere Erwerbungen in Hinterpommern. Als die Exilregierung auf der Moskauer Konferenz im Oktober 1944 von den Teheraner Vereinbarungen erfuhr, denen zufolge Ostpolen endgültig an die Sowjetunion fiel, trat der polnische Premierminister Stanisław Mikołajczyk aus Protest zurück. Sein Nachfolger Tomasz Arciszewski setzte den Kampf für die Wiedergewinnung Ostpolens fort und wies daher, um die Ansprüche auf die polnischen Ostgebiete nicht zu verlieren, das Kompensationsangebot der Alliierten in Gestalt der Oder-Grenze entschieden zurück.
Doch zu diesem Zeitpunkt war die Exilregierung, die den »Großen Drei« wegen ihrer hartnäckigen Weigerung, auf Ostpolen zu verzichten, zunehmend im Wege stand, bereits nicht mehr unangefochten die einzige Regierung Polens. Denn schon im Sommer hatte die sowjetische Führung begonnen, eine Gegenregierung aufzubauen, die die Macht im künftigen Polen übernehmen und dort die Geschäfte im Einvernehmen mit Moskau führen sollte. Zu diesem Zweck wurde das »Polnische Komitee der Nationalen Befreiung« (PKWN) gegründet. Offiziell handelte es sich um eine Mehrparteienregierung, der Vertreter der Polnischen Arbeiterpartei (PPR), der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS), der Volkspartei (SL) und der Demokratischen Partei (SD) angehörten. Doch die meisten Schlüsselpositionen waren in der Hand sowjettreuer Kommunisten und Sozialisten.42 Am 1. Januar 1945 verlegte das Komitee, das bis dahin in Lublin residiert hatte und daher auch als Lubliner Komitee bekannt wurde, seinen Sitz nach Warschau und benannte sich in Provisorische Regierung der Republik Polen (RTRP) um.